Gutshaus Linstow

von Liebling Mecklenburg , 11. Dezember 2017 , Mecklenburgische Schweiz

Vor mehr als zehn Jahren ist Torsten Dietzel mit seiner Frau, einer ursprünglichen Mecklenburgerin, von der Hauptstadt aufs Land gezogen und hat im kleinen Ort Linstow in der Mecklenburgischen Schweiz ein leerstehendes Gutshaus umgebaut. Vor mehr als 200 Jahren in seiner heutigen Form entstanden, war der Klinkerbau zwischenzeitlich als Flüchtlingsunterkunft, Rathaus und Verkaufsstelle genutzt worden. Heute leben nicht nur er und seine Familie in dem alten Herrenhaus 20 Kilometer nördlich der Müritzseen, auch vier Ferienwohnungen mit bis zu drei Schlafzimmern und sieben Doppelzimmer gibt es im Haus. Die Unterkünfte haben die Gastgeber genau so eingerichtet, wie sie es auch selbst mögen: Nachhaltig, funktional und schnörkellos. Bei der aufwändigen Sanierung des Gebäudes hat Familie Dietzel mit Lehm, Kalkfarben und viel Holz gearbeitet und die Wohnungen mit alten Klassikern und neuen Möbeln wohnlich eingerichtet. Vor allem Familien sind im Gutshaus willkommene Gäste. Neben dem Park mit alten Bäumen und einem Fluss, der an das Grundstück grenzt, findet sich ganz in der Nähe ein klarer Badesee mit Sandstrand und Kinderspielplatz und in kürzester Zeit ist man auch an der Mecklenburgischen Seenplatte und an der Ostsee. Für das leibliche Wohl gibt es im Hofcafé und Restaurant hausgemachten Kuchen, hochwertigen Kaffee und abends frische Gerichte aus regionalen Zutaten. Nicht nur die zwei Köche des Hauses  sind hier am Werk, auch die Gastgeber stehen hin und wieder selbst am Herd.

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Herr Dietzel, Sie haben das Gutshaus vor zwölf Jahren gekauft und als Hotel umgebaut. Wie haben Sie und das Haus damals “zusammengefunden”?

Ich habe das Gutshaus 2005 gekauft und zunächst ein Jahr lang eine Bank gesucht. Das war recht schwierig, da solche Häuser natürlich immer auch ein Risiko in der Sanierung bedeuten. Wir wohnten damals in Berlin, wollten aber nicht mehr in der Stadt leben. Daher hatten wir schon immer nach einem geeigneten Haus Ausschau gehalten. Tatsächlich sind wir den Radweg Berlin-Kopenhagen gefahren, der unmittelbar am Gutshaus vorbei führt und haben dabei das Haus entdeckt und schließlich von der Gemeinde gekauft. Der Zustand war auf den ersten Blick nicht so schlecht – die Überraschungen kamen erst später…

Es gab also viel zu tun…wie sind Sie denn an die Sanierung herangegangen und was war Ihnen dabei wichtig?

Das Gutshaus Linstow wurde früher als Wohnhaus für eine Großfamilie mit Geschäftsräumen und weiteren Wohn- und Arbeitsräumen für das Personal genutzt und ist von daher vom Bau her weniger repräsentativ. Es gibt einen schlichten Gartensaal und einen kleinen Speiseraum für den Winter. Das Gebäude wurde von uns in den ursprünglichen Zustand zurückversetzt, wobei wir keinerlei Schmuck, Stuck, erhaltene Paneele, Türstöcke oder sonstiges, was zum ein Herrenhaus gehört, vorfanden. Lediglich eine alte Tür aus der Barockzeit blieb erhalten, da diese eingemauert war. Wir mussten bei der Sanierung alle Einbauten aus vorhergegangenen Nutzungen zurückbauen, wobei hunderte Tonnen Schutt anfielen. Insgesamt mussten 500m Fachwerkbalken, 130m Fachwerkschwellen und 60 Balkenköpfe erneuert werden. Wichtige Teile der Konstruktion waren sehr marode, geschwächt oder schon nicht mehr vorhanden. Wenn vor Beginn der Sanierung ein Fahrzeug am Haus vorbeifuhr, konnten wir das im Haus spüren. Heute bekommen wir sogar größere Stürme gar nicht mehr mit. Beim Umbau waren uns Qualität und Langlebigkeit wichtig. Zur Dämmung wurden deshalb ökologische Materialien, wie z.B. Seegras, eingesetzt. Wir wollten keine ungesunden Baustoffe verbauen, sondern lieber auf Altbewährtes zurückgreifen, z.B. auch Holz einbauen, wo schon immer Holz war. Damit das Heizen ökonomisch ist, haben wir Wandheizungen eingebaut, und die Wände größtenteils mit Lehm geputzt, die mit Kalk-Kasein(Quark)-Farbe gestrichen werden. Die Holzfußböden wurden naturbelassen, lediglich geseift, die Türen geölt oder mit Ölfarbe gestrichen.

Haben Sie sich von diesen Ideen auch bei der Gestaltung der Zimmer und Ferienwohnungen leiten lassen?

Ja, die Verwendung der Baumaterialien hatte natürlich auch Einfluss auf die Gestaltung der Räume. Die Ferienwohnungen und -zimmer haben farbige Lehmwände, Holzoberflächen und sind mit Möbelklassikern und neuen Möbeln eingerichtet. Trotzdem wollten wir es schnörkellos und reduziert. Wir mögen eine schlichte, zurückgenommene Ästhetik und verzichten bewusst auf Dekorationen, denn es geht uns auch um die Entspannung der Sinne. In den Zimmern findet der Gast daher nur das Nötigste vor. Dennoch soll er sich wohl fühlen und vor allem auch gut schlafen. Darauf haben wir großen Wert gelegt – ein gutes Raumklima, Wandheizungen und gute Matratzen. Außerdem gibt es keine TV-Geräte. Dafür haben wir einen Park und das Haus liegt in unmittelbarer Nähe zum See. Da wir ein beliebter Urlaubsort für Familien sind, versuchen wir bei der Einrichtung eine Balance zwischen Design-Mobiliar und den Ansprüchen eine Familie mit agilen Kindern herzustellen. Das ist für uns immer noch nicht  überall ideal gelöst: Wie stellen wir z.B. Familien genügend Stauraum zur Verfügung, ohne die Zimmer mit Schränken vollzustellen? Auch müssen wir empfindliche Möbel oft wieder aus den Räumen entfernen…

Im Gutshaus gibt es auch ein Hofcafé und ein Restaurant. Worauf legen Sie Wert?

Ursprünglich wollten wir nur ein Café betreiben, da wir gern backen und guten Kaffee lieben. Da wir die Ferienzimmer betreiben und es nicht genügend andere Angebote in der näheren Umgebung gibt, haben wir aber unser Angebot erweitert. Es gibt eine Tagesauswahl und jeden Abend wird ein neues Menü gekocht. Für manche Gäste mag es ungewohnt sein, dass wir keine Karte haben, aber inzwischen ist das auch in bekannten anderen Häusern nichts Ungewöhnliches mehr. Die Konzentration auf wenige Gerichte bringt für uns und den Gast viele Vorteile. Wir kochen jeden Tag neu und es kommt oft vor, dass sich Gäste ein Hauptgericht selbst wünschen. Da können wir immer gut reagieren. Wir verwenden viele gute Produkte: der Salat mit mindestens zehn Komponenten kommt aus der Nähe und ist pflückfrisch, das Fleisch kommt in der Regel ebenfalls aus der Region, Fisch aus dem Wildfang rund um die Müritz oder auch mal aus der Ostsee, Eier vom Bauer unseres Vertrauens und Wild vom heimischen Jäger. Wenn wir Zeit haben, gibt es hausgemachte Nudeln und als Dessert oft auch eigenes Eis. Unser Koch ist gebürtiger Schotte, sein Essen schmeckt einfach. Wenn er frei hat, kochen wir einfach selbst. Dann probieren wir viel aus – im vergangen Jahr war es z.B. das Kochen nach Nopi. Ab Mai kann es hier im Café und Restaurant täglich sehr voll sein, im späten Herbst bis zum Frühjahr wird es dann sehr einsam in Mecklenburg. Bis Mitte Dezember haben wir dann nur noch freitags und samstags auf und danach schließen wir die öffentliche Küche bis zum Frühjahr.

Ihr Tipp für den Mecklenburg-Urlaub?

Die Gegend mit ihren Hügeln, Seen, Wäldern, den Hudeeichen, den schönen Herrenhäusern und den Bauernhöfen ist sehr reizvoll, der See mit Sandstrand und Steg nur zwei Minuten vom Gutshaus entfernt. Es ist Luxus, mal einfach so schwimmen gehen zu können. Im Herbst sind es dann die Wälder zum Pilze suchen, im Winter der manchmal zugefrorene See, auf dem wir Schlittschuh fahren. Für Familien gibt es eine Unmenge an Ausflugsmöglichkeiten, gerade auch bei schlechterem Wetter. Wir haben dafür im Eingangsbereich des Hauses eine eigene Karte mit Anregungen gestaltet, die wir regelmäßig ergänzen. Es gibt z.B. verschiedene Tierparks, Reiterhöfe und Museen, das Nebeltal zum Wandern, den Skulpturenweg bei Burg Schlitz, zwei Draisinentouren, den Baumwipfelpfad von Ivenack mit seinen 1000-jährigen Eichen, Seeadler-Beoachtungstürme in der Nähe des Karower Meilers oder die Klosteranlagen in Dobberthin, Rühn und Demmin. Die Städte Güstrow, Plau, Malchow und Waren sind alle schnell erreichbar und Rostock und das Meer braucht nur eine dreiviertel Stunde Autofahrt. Außerdem ist es möglich, sich am Gutshaus von einem Kanuverleiher abholen zu lassen und dann einen oder mehrere Tage zu paddeln – z.B. die Warnow runter bis nach Rostock.

Fotos: Torsten Dietzel
Interview: Katrin Gewecke

Kontakt:
Gutshaus Linstow
Torsten Dietzel
Hofstr. 15
18292 Linstow in Mecklenburg

Weitere Informationen unter: www.gutshaus-linstow.de

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